Miteinander erfolgreich:
der Blog zu Kommunikation, Führung und Selbstführung.

Lust auf Veränderung?

Am Wochenende kommt Malou zu Besuch. Und mit ihrer Hilfe möchte ich dir erzählen, wie VERÄNDERUNG gelingen kann. Und wie wir andere (zum Beispiel unser Team) dabei mitnehmen.

Wenn Malou kommt, treffe ich immer dieselben Vorbereitungen: Ich stelle „ihren“ Stuhl an die richtige Stelle am Tisch, hole die Kiste Bausteine und die beiden Spielpferde aus dem Keller, bereite, „ihr“ Bett vor und lege „ihr“ Geschirr und Besteck zurecht. Malou liebt nämlich Ordnung und Beständigkeit. Den Wochentagen sind Farben zugeordnet und entsprechend wird die Kleidung ausgewählt. Ihr Leben folgt einem festen Rhythmus.

Heißt: Das Miteinander mit Malou ist super einfach, wenn alles nach Plan läuft. Sie akzeptiert Regeln und hält sich daran, diskutiert auch nicht darüber.
Heißt aber auch: Wenn etwas NICHT nach Plan läuft, gerät Malou in Stress. Sie ist verunsichert, wehrt sich dagegen, wird empfindlich.

Stehen Änderungen oder Besonderheiten an, ist es sehr hilfreich, Malou rechtzeitig darauf vorzubereiten, damit sie Zeit hat, sich an den Gedanken zu gewöhnen. Doch natürlich gibt es gelegentlich auch spontane Änderungen. Eile, Zureden, Druck, Bestechung – das alles funktioniert in dem Moment und bei Malou nicht. Was sie braucht, ist dann einfach nur: Zeit und Geduld und Verständnis.

Klar, Malou ist 5, sie wird sich schon noch dran gewöhnen, könnten wir jetzt sagen. Aber: Auch in UNS steckt noch eine kleine Malou. Auch uns Erwachsenen geht es so, dass wir Veränderungen erst einmal verkraften müssen.

Tückisch: Bei uns selbst nehmen wir das meist nicht so wahr. Sehr wohl jedoch bei unseren Mitarbeiter:innen und Kolleg:innen.

Wir sind begeistert von Ideen – und ernten Widerstand…
Vielleicht kennst du das: Du beschäftigst dich ausführlich damit, wie du die Arbeitsabläufe besser organisieren oder das Unternehmen auf das nächste Level der Digitalisierung heben kannst. Du unterbreitest deinem Team begeistert die Ideen und erntest … allenfalls ein braves Nicken. Oder Schweigen. Und manchmal auch innere, möglicherweise sogar offene Gegenwehr. „Aber….!“

Wenn wir nicht aufpassen, macht uns das ärgerlich. Zur anfänglichen Begeisterung gesellen sich dann Ungeduld und ein leises Grummeln hinzu: „Es muss doch vorangehen! Wir können doch nicht immer bei den alten Routinen bleiben. Warum sind die nicht mal ein bisschen flexibel?“, arbeitet es in uns… Am liebsten würden wir die Mitarbeiter:innen „anschieben“.

Absolut verständlich! Und gleichzeitig auch: absolut verständlich vonseiten der Mitarbeiter:innen!

Um das zu verstehen, hilft uns die „Veränderungskurve“.
Es gibt es einen ganz typischen Ablauf, wie wir Veränderungen emotional verarbeiten.

  • 1. Phase: Vorahnung. Wir spüren, dass Veränderung in der Luft liegt, werden unruhig.
  • 2. Phase: Gewissheit, das Ereignis tritt ein. Wir sind überfordert, verängstigt, genervt, erschrocken, stellen uns tot…
  • 3. Phase: Abwehr. Wir spüren Widerstand in uns, wehren uns innerlich und möglicherweise auch nach außen, werden ärgerlich, laut, trotzig, kommentieren...
  • 4. Phase: Resignation. Wir verfallen in Passivität, resignieren, sind frustriert, fühlen uns hilflos.
  • 5. Phase: Trauer, Abschied vom Gewohnten. Wir schließen langsam mit dem Bisherigen ab.
  • 6. Phase: Neugier, langsame Öffnung. Wir fangen an, uns mit dem Neuen anzufreunden, sehen die Vorteile, trauen uns aus der Deckung.
  • 7. Phase: Selbstvertrauen, Wohlbefinden. Wir haben das Neue angenommen, tragen zur Veränderung bei, begeistern uns sogar dafür.

Wenn WIR Ideen vortragen, sind wir schon in Phase 7. Alle anderen starten aber in Phase 2.

Wir befinden uns also an unterschiedlichen Stellen der Kurve und DAS erzeugt die Schwierigkeiten! WIR haben die Kurve schon durchlaufen. WIR haben allen anderen etwas voraus und erwarten nun, dass sie sofort zu uns zur Phase 7 hüpfen.

Das geht aber nicht, jede:r muss jede Phase durchlaufen, um dann zu uns aufzuschließen.

  • Was hilft in der Situation nicht? Eile, Zureden, Druck, Bestechung.
  • Was hilft? Genau! Zeit und Geduld und Verständnis. Wie bei Malou.

Wenn also die nächste Veränderung ansteht, die du mit deinen Mitarbeiterinnen teilen möchtest, denk‘ kurz an diese Phasen. Und schenk deinem Team: Zeit und Geduld und Verständnis.

Mit diesem und anderen Themen zu Führung und Selbstführung beschäftigen wir uns im NEXXXT LEVEL Training "Mehr Zeit für das Wesentliche". Anfang September startet die nächste Trainingsrunde.  Mehr erfahren »