Miteinander erfolgreich:
der Blog zu Kommunikation, Führung und Selbstführung.

Drei Fallen beim Lösen von Konflikten:
1. Kompromisse

Typische Konfliktstrategien und wie es anders geht (Teil 1 von 3)

Kompromisse sind ein häufiger Lösungsansatz, um Konflikte zu schlichten - ob am Arbeitsplatz oder privat. Dabei können "faule Kompromisse" einer echten Lösung auch im Wege stehen. Warum das so ist und wie es anders gehen kann, das ist Thema unseres ersten Beitrags zum KWN-Prinzip.

Ich erinnere mich an eine Urlaubsdiskussion: Ich wollte nach Frankreich, mein Mann nach Österreich. Wir haben uns dann aufs Elsass geeinigt – lag ja in der Mitte. Das war unser Kompromiss. Hat nicht geklappt, wir waren beide unzufrieden und hatten außerdem das Gefühl, der/die andere müsse doch dankbar sein für unser Entgegenkommen.

Das mag banal klingen, der Umgang mit Konflikte verläuft in Unternehmen aber tatsächlich häufig ähnlich.

Ein Beispiel:

Das Team-Meeting ist immer montags. Lisa sagt, sie möchte um 9 Uhr beginnen. Julia lehnt das ab und schlägt 15 Uhr vor. Als Kompromiss wird das Teammeeting um 12 Uhr angesetzt. Beide erscheinen genervt und gestresst im Meeting …

Wir denken zu viel und plaudern zu wenig!

Eine Entscheidung steht an? Eine Frage muss beantwortet, ein Problem gelöst werden? Üblicherweise denken und denken wir und wägen ab, im Stillen, in unserem Kopf.  Dann sagen wir unsere Lösung, unsere Antwort, nennen unseren Wunsch. Nicht selten kollidiert das – vermeintlich – mit dem Wunsch oder den Lösungsvorschlägen des/der anderen. Also finden wir einen Kompromiss. Und häufig sind damit alle Beteiligten nicht wirklich glücklich.

Wie geht es anders?

Wir unterscheiden in unserer eigenen Wahrnehmung nicht, was wir gedacht und was wir dann tatsächlich gesagt haben. Haben das Gefühl: „Ist doch klar, warum ich was meine und vorschlage.“

Ist es aber nicht. Die anderen haben nur das Ergebnis gehört, nicht die Vorüberlegungen … Daraus resultiert eine simple Empfehlung:

Denkt laut, plaudert, teilt eure Gedanken mit.

Warum?

Weil wir dann nicht Lösung gegen Lösung stellen, sondern voneinander erkennen, was das dahinter liegende Bedürfnis ist. Es liegt in der Natur von uns Menschen, dass wir die Bedürfnisse anderer erfüllen möchten (sagt z.B. die Forscherin Brené Brown). Wenn – ja, wenn wir es tatsächlich als Bedürfnis wahrnehmen und nicht als Erwartung, Forderung, Vorgabe. Letzteres empfinden wir als Manipulation und wehren uns – oftmals unbewusst – dagegen. Daraus resultieren häufig Fehler oder dass wir z.B. getroffene Vereinbarungen nicht einhalten.

Mitarbeitende auch durch schwierige Situationen mit Klarheit und Empathie führen – das kann im Alltag herausfordernd sein. Eine bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Zielen und Werten kann dabei helfen, sich aus alten Denkmustern zu befreien und neue Strategien zu finden z.B. durch ein Coaching für Führungskräfte.

Zurück zu unseren Beispielen:

Ich wollte nach Frankreich. Warum?
Weil ich damit schönes Wetter, Strand, Meer, Camping verband.

Mein Mann wollte nach Österreich. Warum?
Weil er sich nach klarer Luft, Bergen, Wandern, Natur sehnte.

Worin hätte – anstelle eines Kompromisses – eine für beide gute Lösung bestanden?
Eben eine, die beiden Bedürfnissen nahe kommt. Korsika, vielleicht.

Worum geht es also? Dass wir unsere Bedürfnisse mitteilen!

Funktioniert auch beruflich:

Lisa will um 9 Uhr das Meeting machen. Warum? Sie hat kleine Kinder, die muss sie um spätestens 14 h von der KiTa abholen. Das wird beim Meeting um 12 Uhr knapp.

Julia wohnt in einer anderen Stadt und reist erst Montagmorgen an. Jetzt muss sie sehr früh losfahren, um rechtzeitig vor 12 Uhr da zu sein und kommt oft gestresst an.

Wie geht es anders?

PLAUDERN!

Bedürfnis von Lisa: „Ich möchte mittags etwas Luft haben, um entspannt die Kinder abzuholen.“

Bedürfnis von Julia: „Ich möchte montags in Ruhe und ohne Zeitdruck anreisen können.“

Lösung: Team-Meetings dienstags um 9 Uhr.

Manchmal ist es so einfach.

Wir kennen, nennen oder akzeptieren unsere Bedürfnisse nicht.

Manchmal sind wir uns auch selber über unsere Bedürfnisse nicht im Klaren. Trotzdem hoffen wir unbewusst, dass die anderen sie erfüllen. Oder wir kennen sie, trauen uns aber nicht, sie zu nennen. Weil wir fürchten, dass die anderen das doof finden, über uns lachen, die Stirn runzeln. Oder wir äußern sie und sind enttäuscht, wenn die anderen sie nicht teilen. Und lehnen dann im Gegenzug auch die Bedürfnisse anderer ab.

Wir können aber längerfristig nicht gegen unsere Bedürfnisse agieren. Sie fallen uns immer wieder vor die Füße. Konflikte in Teams sind ganz häufig die Folge nicht gehörter oder unterdrückter Bedürfnisse.

Mehr dazu, wie man Bedürfnisse (an)erkennt und kommuniziert lesen Sie auch im Blog-Artikel "Gelingendes Konfliktmanagement als Erfolgsfaktor"

Fazit „Lösungen finden nach dem KWN-Prinzip“:

Klarheit statt Kompromisse!

  • Gedanken und Bedürfnisse mitteilen. Plaudern! „Folgende Gedanken habe ich dazu….“, „Wichtig ist mir…“, „Einerseits ..., anderseits…“
  • Offene Frage formulieren. Unsere Beispiele: Wann wäre ein Urlaub für dich gelungen? (Nicht: Wohin willst du in den Urlaub?) Oder: Wann wollen wir das Team-Meeting machen? Was ist euch für die Team-Meetings wichtig? (Nicht: Welche Uhrzeit würde euch am Montag für das Teammeeting passen?)
  • Vorgaben überprüfen, Blick weiten. Unser Beispiel: Muss ein Team-Meeting montags sein? Muss ein Team-Meeting jede Woche sein? Müssen immer alle teilnehmen?

Konflikte lösen mit dem KWN-Prinzip:

Drei einfache Prinzipien für ein gelingendes Miteinander:

  1. K – Klarheit statt Kompromisse.
  2. W – Wohlwollen statt Wertung.
  3. N – Neugier statt Nörgelei.

Was machen wir?

Was brauchen wir?

Kompromisse

Klarheit

Ja, guuut….

Mein Bedürfnis ist…

Werten

Wohlwollen

Du bist falsch.

Wir sind verbunden, nur in der Sache unterschiedlicher Meinung.

Nörgeln

Neugier

Du machst das falsch und ärgerst mich.

Ich höre dir zu:
Welches Potenzial steckt in dem, wie du es machst?
Was können wir daraus lernen?

 

Foto "Corsican postcard": Jametlene Reskp on Unsplash
Foto "Girl pulling dog": Vidar Nordli-Mathisen on Unsplash