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der Blog zu Kommunikation, Führung und Selbstführung.

"Ich hätte mehr Dankbarkeit erwartet."

Danke zu sagen und so meine Wertschätzung auszudrücken, dankbar zu sein für etwas, das ich erleben oder bekommen durfte, achtsam wahrzunehmen, was andere für mich tun… Dies sind wichtige Aspekte, wenn wir uns mit dem Thema „Dankbarkeit“ beschäftigen.

Lassen Sie uns Dankbarkeit jedoch einmal von einer anderen Seite betrachten: Was, wenn WIR etwas tun und dann die Dankbarkeit der anderen ausbleibt???

„Ich hätte schon ein bisschen Dankbarkeit verdient“

Ob in Familie, Ehrenamt, Beruf oder bei spontaner Hilfe: Wir bringen uns ein und möchten – meist – auch etwas dafür zurückhaben. Geld, gegenseitige Unterstützung oder Sicherheit zum Beispiel. Lob, Bewunderung, Wertschätzung. Oder zumindest mal ein Danke.

Wir haben das verdient, meinen wir. Wir haben uns schließlich bemüht, es den anderen schön und recht zu machen. Haben uns aufgeopfert, Zeit und Gedanken investiert, vielleicht auch Geld. Stellen als Führungskraft den Mitarbeiter(inne)n jeden Tag frische Früchte bereit, Kaffeemaschinen, Tischkicker…. Haben uns als Mitarbeitende trotz Krankheit zur Arbeit geschleppt. Abends Überstunden geschoben, der Chefin jeden Morgen die Post gebracht… Jetzt möchten wir, bitte schön, auch ein bisschen Dankbarkeit dafür!

Dankbarkeit können andere nur SCHENKEN

Ok, wir haben also anderen Gutes getan. Dafür mögen die bitte auch dankbar sein! Das haben wir verdient, oder?

Leider NEIN!  Dankbarkeit können wir uns definitiv nicht „verdienen“. Wir können sie auch nicht erwarten. Dankbarkeit, Liebe, Anerkennung, Wertschätzung: All dies kann nur GESCHENKT werden. Und schenken tun wir alle nur gerne und von Herzen, wenn wir es freiwillig tun. Wird ein Geschenk hingegen von uns erwartet (oder meinen wir, im Gegenzug zu etwas ein Geschenk machen zu müssen), dann ist es kein Geschenk mehr. Dann ist es ein ROI (Return on investment), eine Gegenleistung, eine Bezahlung, ein Sich-Freikaufen.

Dann ist es ganz direkt gesagt: Manipulation. Ich tue etwas, um zu…

Wir stellen Früchte, Tischkicker, Kaffeemaschinen, damit die Mitarbeitenden motivierter sind, besser arbeiten? Manipulation! Wir investieren Extrazeit in eine Aufgabe, kommen krank zum Meeting, bringen der Chefin jeden Morgen die Post, damit wir befördert werden? Manipulation!

Wir bringen den Kindern des Bruders Gummibärchen mit, damit sie uns mögen, wir tragen der Nachbarin die Tasche ins Haus, weil sie so leckere Kirschen am Baum hat, von denen wir welche pflücken möchten, wir reduzieren unsere Arbeitszeit (obwohl wir total gerne arbeiten), damit wir den Kindern später sagen können: Schaut, was ich alles für euch aufgegeben habe!? Manipulation!

Tun Sie, was Sie wollen. Für sich!

Natürlich können wir Tischkicker aufstellen, Taschen tragen, helfen, uns einbringen! Wenn… ja, wenn wir es tun, weil wir es tun MÖCHTEN, oder wenn wir die Gegenleistung, die wir uns wünschen, klar formulieren.

  • Wir tun es, weil wir es MÖCHTEN.
    Wir halten es für richtig, es zu tun. Wir entscheiden uns dafür ohne Hintergedanken, tun es in Klarheit, mit zugewandtem Herzen, vielleicht auch aus rationalem Erkennen, dass es sich gehört, wichtig oder unsere Pflicht ist. Egal, aus welchem Grund, wenn dieser Grund bei uns bleibt. Und wir keine „freiwillige“ Gegenleistung dafür erwarten. Auch keine Dankbarkeit.
  • Wir formulieren den „Handel“, erklären, welche Gegenleistung wir erwarten.
    Zum Beispiel so: „Ich möchte, dass Sie sich in unserem Unternehmen wohl fühlen, um gut, gerne und lange für uns arbeiten zu können, daher stelle ich Früchte bereit und Tischkicker auf.“ „Ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen: Ich trag Ihnen in den nächsten Tagen immer die Tasche hoch in die Wohnung, dafür darf ich 2 Eimer Kirschen pflücken.“ „Ich möchte langfristig Abteilungsleiter werden, dafür investiere ich abends und am Wochenende Extrazeit.“

 

Dankbarkeit tut gut. Wir können sie jedoch nur SCHENKEN, wir können sie nicht von anderen erwarten. WENN wir sie erwarten, sollten wir hinschauen: Was genau will ich EIGENTLICH?

Fragen zur Reflexion:

  • Wo tun SIE etwas, um zu….?
  • Was ist Ihre eigentliche Intention dahinter?
  • Welche eigentliche Sehnsucht verbirgt sich dahinter (z. B. sicher sein, beachtet oder geliebt werden, dazugehören)?
  • Was könnten Sie stattdessen tun?
  • Wie könnten Sie es ansprechen, erbitten, vorschlagen?
  • Was müssten Sie loslassen?
  • Wie viel Wertschätzung und Dankbarkeit schenken Sie sich SELBER?